day 9

Posted on July 12th, 2017 by Schrüppe McIntosh

Leider sind wir noch nicht wirklich dazu gekommen viel von Johannesburg zu sehen.

Irgendwie schaffe ich unglaublich wenig, obwohl ich durchgehend mit Notizen und To Do Listen arbeite. Das liegt an der Höhe. 1753m über dem Meeresspiegel in Johannesburg. Das bin ich nicht gewöhnt und hier werde ich definitiv schneller müde als zuhause. Der Tag ist aber auch anders zu strukturieren, wenn 9 to 5 gelebt wird. Bis 17 Uhr muss alles Wichtige erledigt sein. Danach wird es dunkel und ab dem Zeitpunkt ist die Fortbewegung leider nur noch per Uber möglich. Außerdem sind dann die meisten Läden zu. Was mir vorab nicht so bewusst war- die Öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht sicher und decken nicht den Bedarf an. Das heisst leider aber auch, dass wir uns gegen unseren Willen von Allem abschotten (müssen).

Wann immer wir mit Leuten ins Gespräch kommen, ist das unglaublich herzlich und nett. Ob das die Frau im Reisebüro ist, die uns einlädt mit ihr feiern zu gehen, damit sie uns ihre Kontakte vorstellen kann oder die Vermieterin unserer Location, die uns Sparpreise macht, weil sie weiss, dass wir nonprofit unterwegs sind oder oder... Aber das sind alles keine zufälligen Begegnungen, sondern die entstehen nur, weil wir aus anderen Gründen miteinander zu tun haben. Das ist total schade. Auch wenn wir das noch nicht erlebt haben- die Angst vor Überfällen und Morden ist hier unglaublich groß.wir hören durchgehend Horrorstories und Niemand den wir bisher gefragt haben, wurde noch nicht ausgeraubt.

Wir sind mit leichtem Gepäck in die Stadt gelaufen, um wenigstens Etwas zu sehen. Das hat uns zumindest etwas gebracht, weil wir zwei Männer kennen gelernt haben, die unglaublich schöne selbstgemachte Skulpturen aus Draht und Perlen verkaufen und uns für morgen mit ihnen zum Gespräch verabreden.

Alles ist mit meterhohen Mauern umsäumt, die neben dem Guardians, einer Patrouille im Viertel auch in the Top noch mehrere Reihen Natodraht oder 5 Etagen Stronzaun hat.

Wir sind 4km entlang der Straße kaum eine Veränderung gesehen. Wir haben es zumindest vor der City so gehalten, dass wir Jeden gegrüßt haben; so wie wir das in den Townships schätzen gelernt haben. 

Patrick hat das besser drauf als ich- es gibt auch zwei/drei verschiedene Arten sich die Hand zu geben. Wenn man das weiss und kennt, wird man sehr oft freudig angesprochen. Schwarz-weiss ist immernoch ein sehr grosses Thema hier und unser Gefühl ist, dass man sich auf der Strasse grösstenteils ignoriert. Was sehr schade ist- wir haben mittlerweile so oft Menschen getroffen, deren Gesicht sich von ausdruckslos zu freudestrahlend verwandelt hat, dass ich wieder total gerne grüße.

Am Anfang war das sehr komisch - auch das IMMER hallo und tschüss sagen, ist ja eigentlich überhaupt nicht mein Ding.  Ich würde das aber jedem Touristen empfehlen- mir hat das nach kurzer Zeit schon einen Grossteil meiner Berührungsängste nehmen können.

Wir haben Kontakte nach Durban geknüpft und denken dort ein Projekt gefunden zu haben, das beides sein könnte- sowohl Social Business als auch textile Handarbeit. Ich wäre gern mit einem Mietauto gefahren, um etwas von der Landschaft mitzubekommen, bin aber schlichtweg zu feige mich dem Linksverkehr zu stellen. Grundlegend habe ich die Verkehrsregeln verstanden, aber wirklich alles- kann auch mit Hupen geklärt werden. Leider ist alles viel teurer, als zu fliegen.

Da wir die Flüge aus welchen Gründen auch immer nicht im Internet buchen konnten, haben wir das im Reisebüro gemacht - immer mit dem Blick auf die Uhr.

Ich habe nämlich seit Monaten Emailkontakt mit Roger Ballen und nachdem ich den Termin für das Treffen ein paar Mal verschieben musste, will ich heute unter keinen Umständen unpünktlich sein. Er ist als Jungspunt nach Südafrika gekommen, u.A. Geologe und jahrzehntelang Fotograf, außerdem Sammler und Etliches mehr. Ihn persönlich zu treffen ist aufregend, weil ich weiß, dass er in sehr entlegende Ecken reist und dadurch dieses Land wie kein Anderer kennt. Und auch, wenn er, wie er selbst sagt, kein Experte in Sachen Mode ist, fallen ihm natürlich Leute ein, an die er uns empfiehlt. 

Während unserer bisherigen Reise habe ich mehrfach bemerkt, dass sich 6 Wochen zwar sehr lang anhören, aber für eine tiefergehende Recherche für ein Thema mit unserem Umfang fast nichts ist. Wir haben kaum Zeit an einem Ort anzukommen und ihn wenigstens oberflächlich kennen zu lernen. Das schlaucht ganz schön. 

Der Tag ist vorbei- wir wieder in der Basisstation. Ich ringe, wie jeden Tag mit dem Gedanken in der Pool zu steigen, weil ich das noch nie gemacht habe, aber gefühlt 10 Grad sind eine Riesenhürde. Ich behalte das aber im Blick.

 

 

 


← back to the blog