day 6

Posted on July 9th, 2017 by Schrüppe McIntosh

In manchen Ecken ist es nicht ratsam als Frau allein zu sein. Gerade nicht in Gegenden in denen die Armut so hoch ist, dass man gruselige Geschichten über Organdiebstahl, Prostitution und den Mangel am Allernötigsten zuerst hört. Bisher war ich nie ohne Vincent und Patrick unterwegs und das Zelt im bewachten Innenhof ist meine Chance auf den Luxus des Alleinseins. Ich bin mit dem Hundebellen eingeschlafen und wache nun mit den Hühnern auf (die ein unglaublich schlechtes Timing haben).

Refilwe zeigt sie mir- während sie gleichzeitig Frühstück für alle kocht- wie sie früher aus Plastiktüten Fussmatten und Teppiche gehäkelt hat. Darüber kommen wir auf traditionelle Handarbeiten zu sprechen. Sie erklärt mir die traditionellen Beigaben ihrer Hochzeit- unter Anderem ein aus Gräsern gefertigter Teppich, der der Frau notfalls auch als Bett dienen kann und ein sehr langes Bündel Gras, damit es keine Ausreden gibt, warum das neue Haus nicht sauber ist. Weiterhin eine wirklich riesige Schüssel (kinderbadewannengrösse) und ein Service an Emailletassen und die passende Kanne dazu. Refilwe hat angefangen Schmuck aus Perlen zu fertigen, den sie verkaufen wird, weil es zwar Bedarf daran gibt, aber man ihn hier nicht kaufen kann. Früher war der Schmuck aus Samen von Bäumen gefertigt. Als Frau hat man unglaublich viele Dinge unter einen Hut zu bekommen. 

Bevor wir abreisen, erfahren wir eher beiläufig von Edwins Gewächshausern. Er pflanzt Gurken, die wir direkt vom Strauch probieren können. Das ist ein Versuch einen verdienst nach Madini zu bringen. Er muss ihn bewachen lassen, weil hier wirklich alles geklaut wird, dafür hat er einen jungen Mann aus dem Dorf eingestellt. Neben den Gurken pflanzt er auch Moringa, eine Heilpflanze an. Er schafft hier wirklich aus dem Nichts etwas und verändert damit in meinen Augen den kompletten Ort. Es gibt hier nicht einmal Strassenschilder. Sein Gewächshaus ist ein Lichtblick in dieser staubigen Gegend.

Er sagt die Mentalität der Menschen muss sich hier ändern. Man muss sich etwas zutrauen und darf nicht darauf warten, dass Jemand anderes die Initiative ergreift. Was den Leuten leider fehlt, sind Marketing skills.

 


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