day 28

Posted on July 31st, 2017 by Schrüppe McIntosh

Fashion Design DUT Durban

 

Wir waren ja schon einmal in Durban und haben mehr oder weniger zufällig vor der Fashion & Textile Faculty of Arts und Design gestanden. Zu diesem Zwitpunkt waren allerdings noch Semesterferien und es war Niemand zu sprechen. Dieses Mal haben wir ein Treffen mit Fr. Sunthra Moodley, der Abteilungsleiterin vereinbaren können und das Semester ist bereits gestartet.

 

Wir kommen mit dem Auto und es deutlich schwieriger einen Parkplatz zu ergattern- zum Glück dürfen wir auf einem der reservierten Plätze in der Tiefgarage stehen. Ein Guard begleitet uns in den dritten Stock zur Rezeption. Das kam mir beim letzten Mal noch komisch vor, mittlerweile ist das normal.

 

Ich bin sehr gespannt auf eine andere Modeschule und freu mich toal, als wir freundlich empfangen werden und im Lehrerzimmer Platz nehmen. (Dass das nicht unbedingt was Schlechtes sein muss, daran werde ich mich wohl nie gewöhnen... )Wir setzen uns und stellen dann auch schon eine Frage nach der Anderen. Wir wollen wirklich alles wissen- wie sieht die Struktur einer Ausbildung an dieser Schule aus, wer kommt hierher, wie ist die Schule aufgestellt, was ist der Fokus, etc. .... An der Wand hängen die Plakate zu den jeweiligen Modenschauen, auf dem Tisch liegen die Bücher mit den Kollektionen der Jahrgänge. Auf den ersten Blick wirkt es auf mich bunt collagiert, aber finden sich auch sehr grafische Arbeiten. Uns wird erzählt, dass die Schule sich zukünftig mehr nach Außen wenden möchte- den Studenten auch Einblicke in Universitäten anderer Länder ermöglichen möchte, nachdem der Austausch mit Beijing ein gutes Erlebnis war. Es gibt bereits Kooperationen mit den anderen Departments ( Grafikdesign, Fotografie, ...) Momentan ist die Ausbildung sehr voll gepackt, dauert drei Jahre und bildet auch Studenten ohne jegliche Kenntnisse an der Nähmaschine aus. Innerhalb von drei Jahren muss jede(r) StudentIn soweit sein, eine Kollektion von sieben Outfits einzureichen und zusätzlich auch einen schriftlichen Teil einreichen, der in anderen Schulen als Masterarbeit durchgehen würde.

Filmen oder Fotografieren dürfen wir ohne Genehmigung nichts, deshalb fällt unsere Short Story für diesen Ort leider aus- obwohl mich die Frage, inwiefern traditionelle Handarbeiten eine Rolle in der heutigen Ausbildung spielen doch sehr interessiert.

Frau Moodley bietet uns einen Rundgang durch das Department. Mein erster Eindruck neben den gestalteten Schaufenstern im Flur- ich habe noch nie ein Lehrgebäude mit soviel Platz gesehen. Überall stehen Tische und Utensillien in den großen Räumen und die Studenten, die vor Ort arbeiten gehen regelrecht darin unter. Es gibt einen riesigen Bereich für Druckarbeiten- es gibt ein Karussell, es gibt aber auch Siebe am Tisch (mit denen lassen sich Meterwaren gestalten- auch mit komplizierteren und mehrfarbigen Mustern). Auch die Werkstätten sind zwar mit vielen Maschinen, Zuschneidetischen, Bügelstationen, etc. bestückt, aber im Vergleich zu dem, was ich kenne- riesig.

 

Im Flur treffen wir dann auf eine Gruppe Studenten im dritten Lehrjahr, die uns ihren Arbeitsplatz zeigen, ihre derzeitigen Projektstände und Ideen vorstellen. Sie schenken uns ihre wertvolle Zeit, obwohl ich ziemlich sicher bin, dass das Gespräch mit uns ihren Zeitdruck nur noch erhöht. Die Uni ist für die Studenten "nur" bis neun Uhr abends geöffnet, danach müssen alle das Gebäude verlassen, ein gutes Zeitmanagement ist hier also unglaublich wichtig- wie an wahrscheinlich jeder anderen Modeschule auch. Die Studenten sagen über ihre Ausbildung, dass man sein soziales Leben vergessen muss und die Ausbildung auch sehr hart ist, aber sie keine Angst haben anschließend keinen Job zu finden. Die Universität bereitet sehr gut darauf vor im Verkauf für eine große Firma eingesetzt zu werden. Es gibt eigentlich Niemanden, der nicht gerade an etwas arbeitet. Ich fühle mich ganz komisch, weil ich den Stress so gut kenne und mir mein eigenes Bachelorstudium gerade soweit entfernt vorkommt.

 

Auch hier gibt es privat gesuchte Zusammenarbeiten mit Handarbeitsprojekten und den Wunsch dieses für die Zukunft zu erhalten. Eine der Studentinnen arbeitetet mit strickenden älteren Frauen und kombiniert deren Fähigkeiten mit ihren zeitgemäßen Design.

Eine andere Arbeit verbindet eigene Druckmotive und Stickereien auf Neopren und Leder. Eine weitere spannende Arbeit beschäftigt sich mit Mode für blinde Menschen. Wir bekommen den Tipp für eine Blindenwerkstatt in KwaZulu Natal:

 

Blind and Deaf Society,

https://www.facebook.com/bdskzn/

Director: Shamilla Surjoo,

Tel:0 (+27)837754991

Mail: directo@bdskzn.org.za

 

und auch den Hinweis auf Adeles Mohair.

http://www.adelesmohair.co.za/

PO Box 21 South Seas 6172 South Africa
 Tel: + 27 46 675 1090
 Fax: +27 46 675 1090
 Mobile: +27 82 328 3678
 adele@adelesmohair.co.za

 

"Adéle’s Mohair is a labour intensive cottage industry, producing designer knitting yarns, accessories and home textiles. Adéle started the business in 1983 and continues to run it adhering to fair trade and green standards. The luxurious natural fibres of mohair (from Angora goats) and Merino wool (from sheep) are locally sourced and of the finest quality. The current trend of recycle and reuse has created opportunities for innovative and contemporary design of new products. The workshop is located in the rural areas between the port cities of East London and Port Elizabeth of South Africa."

Dieses Projekt würde ich am Liebsten direkt besuchen, aber das ist bereits so gut im Netz dokumentiert und aufgearbeitet, dass keine unserer Fragen offen bleibt und wir es zu gunsten anderer Projekte ad acta legen. Äh, aber weiter im Text....

 

Wir setzen unsere Führung mit Leandi Mulder (https://www.linkedin.com/in/leandi-mulder-7aa489136/?ppe=1) durch das Gebäude fort. Die drei Lehrjahre sind auf verschiedenen Ebenen verteilt, es gibt eine Art Gemeinschaftskantine und Terasse, aber die Meisten essen nur schnell zwischendurch. Die Vernetzung unter den Studenten ist nicht so groß, weil Jede(r) mit eigenen Projekten beschäftigt ist. Ein definitives Highlight ist die Bibliothek im unteren Teil des Gebäudes. Es werden Bücher verliehen, die ausschliesslich Mode und Textilthemen inne haben. Da wäre ich gern noch länger geblieben. Es ist aber schon so spät, dass auch wir uns langsam verabschieden müssen, um heute noch rechtzeitig in Hillcrest anzukommen.

 

 

Hillcrest finden wir dieses Mal einfach- man muss nur daran denken KZN der Suchanfrage beizufügen. Dort treffen wir auf Paula. Wir sagen allerdings heute nur "Hallo" und planen , was wir morgen gern abfilmen würden. Wir haben unerwarteterweise noch Zeit übrig und halten an der Mall. Diese besteht aus vielen kleinen Gebäuden in mehreren Reihen, die unterschiedliche Dinge anbieten. Patrick entscheidet, das heisst Craftbeer. Dann machen wir uns auf zu Michelle Brown, bei der wir eine Übernachtung via Airbnb gebucht haben. Wie das manchmal so ist- sie ist ein Glückfall- wir kommen an ein kleines Häuschen mit einem liebevoll gestaltetem Garten an und werden von der Katze des Hauses schief angeguckt und vom Hund abwechselnd mit energischer Liebe bedacht. Michelle ist offiziell bekennende Katzenlady (was ich seeeehr sympatisch finde) und arbeitet direkt neben dem Hillcrest AIDS Centre Trust für eine NGO, die Projekte berät und Businesspläne erstellt, um diese auf eine nachhaltige Ebene zu heben oder deren Überleben auch in der Zukunft zu sichern. Sie erzählt uns viel über verschiedene Probleme, die in Südafrika gerade angegangen werden und welche Lösungsansätze ausprobiert werden. http://www.ewingtrust.co.za/ (, wen es interessiert)


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