day 27

Posted on July 30th, 2017 by Schrüppe McIntosh

Patrick darf sich aussuchen, was immer er möchte: wir gehen in den Botanischen Garten. Gehen heißt in diesem Fall 5,7km quer durch Durban, berg hoch berg runter und ich freue mich total darüber. Als Tourist wird einem immer Angst gemacht- Bettler, Räuber, Mörder, Armut, usw- als Tourist fährt man für gewöhnlich Uber. Nicht mal Bus oder Taxi, weil auch das gefährlich und öffentlich ist. Das beeinflußt auch mich, wachsamer zu sein. Patrick nennt mich liebevoll "naive Sonnenblume"- alles was ich vorschlage zu tun, weil es Spaß machen könnte, kann man hier einfach nicht machen, weil es gefährlich sein könnte.

Es ist bereits der 27.Tag und wirklich viel über Bewegung zu Fuss oder Sightseeing kann ich bisher nicht berichten. Wir sitzen vormittags am Rechner und als der Rechner stolz seine Ladebalken zeigt, schleichen wir uns raus.

Unterwegs fallen mir mal wieder krass die Unterschiede zwischen reich und arm auf. Wir laufen ziemlich zackig- es gibt Bettler und Leute, die Dienste an Autofahrer anbieten (Müll einsammeln, Verkauf, etc.) an jeder größeren Kreuzung in allen Richtungen. Wir werden aber komplett in Ruhe gelassen. Ich sehe Leute, die auf Verkehrsinseln - ohne Witz- herumliegen. Normalerweise würde ich den Puls checken wollen, aber hier ist das so häufig, dass das keine Auffälligkeit mehr ist. Direkt daneben, nur durch einen Zaun getrennt, galoppiert ein Jockey vorbei.

Wir kommen am Golfplatz vorbei und während hier Leute über die grünen Rasenflächen dem Ball hinterher schlendern, sitzen am Rand zwei Typen, die sich seelenruhig einen Schuss setzen. Ich weiss gar nicht, wo ich das hinverarbeiten soll. Man sieht einigen Leuten wirklich an, dass sie seit Ewigkeiten nichts mehr gegessen haben. Wird man angesprochen, wollen sie voll oft gar nichts für sich selbst, sondern für ihre Kinder.

Generell ist die Stimmung aber immer sehr freundlich, auch wenn ich manchmal echt Beklemmungen habe, bei dem was ich sehe-  ich total dankbar draußen zu sein. Man kommt in Südafrika eigentlich mit Jedem sehr schnell ins Gespräch und wir treffen auf zwei andere Spaziergänger, die uns erzählen, dass es sie stolz auf ihr Land macht uns Zwei allein (ohne Guide) durch ihre Stadt spazieren zu gehen. Und sie freuen sich, dass wir keine Angst vor Ihnen haben. 

Das ist seltsam, wenn man sich versucht vorzustellen, was ihre sonstigen Erlebnisse gewesen sein könnten. Der Eintritt in den botanischen Garten ist frei und wir sehen vor Allem unglaubliche Bäume. Und beobachten Fotografen beim Ablichten von Brautpaaren. Hintereinander fotografiert und bunt durcheinander stehen Afrikaner, Inder und Araber- das ist unterhaltsamer als das Publikum jeder Fashionshow. 

Wir müssen ein freies WLan Netz finden, um ein Uber für den Rückweg zu rufen, weil der Akku unseres Telefons den Abgang zu machen droht und landen in der Florida Rd am wahrscheinlich touristischstem Fleck von Durban als es dunkel wird. Dort testen wir eine selbstgebraute Biersorte in einem Laden, der Mozambik heißt und im Logo eine Schaufel und eine Kalaschnikov hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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