day 23

Posted on July 27th, 2017 by Schrüppe McIntosh

Es ist viel passiert. Nachdem wir vor mittlerweile 4 Tagen unser Auto vom Flughafen abgeholt haben - sind wir wieder auf Reisen. Und nach einer Lücke im Reisetagebuch geht es nun auch hier weiter. Endlich! Sozusagen. (Eure Beschwerden erreichen mich)

In Südafrika befindet sich das Lenkrad im Auto auf der anderen Seite. Auch der Scheibenwischer und die Blinker sind seitenverkehrt. Meine Frontscheibe war noch nie so sauber....Die Schaltung befindet sich in der Mitte, muss nun aber mit der linken Hand bedient werden. Auch die Verkehrsregeln sind anders. Am meisten Probleme macht es mir in einer überfüllten Strasse mitzubekommen, wer nun zuerst an der Kreuzung war. Der oder die darf nämlich auch zuerst fahren. Das ist öfter mal ein ratloses Anstarren. Anfahrenam Berg- auch so eine Sache die ich mir gewünscht hätte noch zu wissen... Damit aber genug zum Auto. Das ist auch alles kein Hexenwerk,und zumindest wenn man in ländlichen Regionen unterwegs ist, hat man da genug Zeit, sich in Ruhe umzugewöhnen.

Wir sind also von Johannesburg in Richtung Norden aufgebrochen, um in ca. 3 Stunden Vaalwater- zu erreichen. Unsere Gasthaus Betreiber hatten uns einen Kontakt zu Letizia arrangiert, sie widerrum wollte uns ein Projekt vorstellen, in dem Frauen Zusammen arbeiten und Schmuck herstellen. Das war unsere Vorabinformation. Die Landschaft hat sich komplett verändert. Limpopo ist -denke ich - das Afrika, dass man aus den Filmen kennt. Scheinbar endlose Weite, endlose Strassen, weit und breit niemand. Giraffen und Kühe, mannshoch gelbes Grass, am Horizont Berge. Undglaublich schön das Ganze.

Ich bin nicht sicher, ob es die Höhe oder die Sonne ist, aber meine Lippen fühlen sich mittlerweile an, wie zwei sich häutende Schlangen, sie sich aufeinander rubbeln.

Vaalwater haben erstaunlich einfach und trotz der 5 Stunden in der Autovermietung mit nur einer Stunde Verspätung gefunden. Dort haben wir Letizia im Cafe Serenga getroffen. Diese kleine Stadt hat im Zentrum einen Spar Supermarkt, und zu unserer Überraschung auch einen Craft Shop namens Black Mamba mit allerhand Handgemachten aus Afrika. Zufällig ist Shelley auch eine gute Bekannte von Letizia und wir bekommen ihren Kontakt, um uns am nächsten Tag mit ihr zu verabreden.

Shop 4 des Arials ist Kamatsogo. Hier treffen wir Johanna und eine ihrer Kolleginnen am Tisch sitzend und stickend. Ich hatte Frauen erwartet die mit Metall arbeiten und Ketten herstellen, aber augenscheinlich wird hier hauptsächlich genäht und gestickt. Kissenbezüge, Kuscheltiere, individuelle Produkte.

Wir kommen in ein erstes Gespräch und verabreden uns für den nächsten Mittag zum Interview.

Dann folgen wir Letizia in ihr Zuhause. Anderthalb Stunden dauert die Fahrt und zwischendurch frag ich mich, wo wir überhaupt sind. Wir sehen Warzenschweine, Giraffen, Springböcke, Kühe (?) und Strausse. 7km ist die Fahrt vom Eingang zum Haus. Und dann stehen Patrick und ich vor einer Aussicht, die uns den Atem nimmt. Jeder cm wird für das Sammeln von Handwerk und Kunst genutzt und ich kann mich gar nicht satt sehen. Wir sehen frei lebende Affen und den krassesten Sternenhimmel unseres Lebens. Wir hören die Affen nachts brüllen.

 Am nächsten Morgen sind wir zu einem privaten Game Drive eingeladen. Es geht schon um sieben Uhr los. Patrick und ich auf einem riesigen Cruiser, der an einen Wehrmachtsjeep erinnert und unser Fahrer April unterwegs. Wir sehen schon nach kurzer Zeit Gnus, dann Zebras, Springböcke und Tiere, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Ich weiß immer noch nicht was das war. Es war nicht alleine unterwegs.

Wir haben Johanna vom Projekt Kamatsogo interviewt und gefilmt. Für alle, die Kontakt aufnehmen möchten:

Kamatsogo (meint: by our hands) Creative Living
Shop no. 4, Zeedeberg (Spar),
Voortrekker road, Vallwater, 0530
074-6120478 und 0746199008
kamatsogo@gmail.com

Wir durften auch Shelly vom "Black Mamba" Laden zu ihrer Situation als Händlerin von Kunsthandwerk befragen. Sie sagt, dass die Zusammenarbeit mit den Künstlern sehr unzuverlässig ist. Die Idee Aufträge zu vermitteln funktioniert nicht, weswegen die Händler kaufen, was sie sehen und in der Regel keine Bestellungen aufgeben. Viele Kunstschaffende sind immer auf der Reise und haben keine erreichbaren Kontakte. Das ist natürlich sehr schade. Shelly hat unglaublich tolle Sachen in ihrem Shop, aber man kann kaufen, was man sieht. Bei Sonderwünschen hat man vielleicht Glück, aber es gibt keine Garantie.Mit Social Business hat ihr Geschäft, zwar nicht zu tun, aber ich hätte es sehr interessant gefunden sie auch zu filmen.

Im Anschluss haben wir uns auf den Weg nach Groblersdal gemacht, um das Ndebele Museum anzusehen. Wir sind relativ spät dort angekommen und am nächsten Tag haben wir festgestellt, dass wirklich Niemand in der kleinen Stadt schon einmal was davon gehört hat. Das wollte ich nicht so richtige glauben- es wurden sogar Öffnungszeiten im Netz angegeben. Lest ihr also vom Kdodwana Ndebele (N-day-bay-lay) Museum in Groblersdal- das gibt es nicht. Und auch Groblersdal als angekündigte Hochburg der Ndebele Kultur- NEIN, ist nicht. Werder Rundhütten, noch Handwerk. Wir sind zum "Googlepunkt" gefahren, um mit eigenen Augen zu sehen, dass dort ein Hardwareshop ist.

Der Kioskverkäufer (seit 1957 im Geschäft) hat uns dann von Plänen in der Stadt zum Bau des Museums erzählt. Allerdings ist der Bau nie begonnen worden. Zumindest das Marketing hat Wirkung gezeigt. Wir ziehen also weiter in Richtung Middleburg. Hier soll sich der Grossteil der amaNdebele aufhalten. Den Schmuck der Ndebele findet man in Südafrika wirklich an jeder Ecke und es ist langsam seltsam, dass wir es nicht schaffen Jemanden zu finden, der ihn herstellt. 

Ich lese mich durch verschiedene Berichte  im  Netz und unsere Gastmutti tut ihr Bestes für uns und befragt alle, denen sie begenet- egal ob Gast oder bei ihr angestellt. Es gibt aber Niemanden, der direkt einen Kontakt oder eine Empfehlung hat. Ausser die das Botshabelo ein leerer Ort ist und weit ausserhalb und sich nicht lohnt. 

Für uns ist es trotzdem die einzige Anlaufstelle, die wir haben uns wir machen uns auf den Weg. Es soll am Eingang einen Guard geben, vielleicht weiss der was. Die Fahrt ist bergig und endlos. Wir finden den Guard an einem riesigen Tor in the  middle of nowhere. Aber das Tor ist bemalt.Er lässt uns rein, da wir anscheinend ja keine Gäste sind, sondern nur Fragen haben. Wir sollen aber drinnen Bescheid geben, damit er keinen Ärger wegen der Abrechnung bekommt.

Der Weg ist mehr als 5km lang und man fährt zwischen hohen Gräsern eine hügelige Landschaft entlang. Man sieht Ruinen und auf dem Weg zum Parkplatz kommt man unerwarteter Weise auch an einer Jugendherberge, einem Gasthaus und mehreren leeren Häusern vorbei. 

...

Wir sind jetzt dabei die zweite Nacht hier zu übernachten. Aktuell gibt es keinen Strom , keine Internetverbindung und keine Verbindung zum Telefonnetz (nur punktuell, wie damals in den 90ern).

Wir werden von Lot, einem der Arbeiter herumgeführt, obwohl wir das zuerst ablehnen, weil wir dafür gar nicht zahlen wollen und deshalb nicht da sind. Dann stehen wir vor bunten Mauern. Im Internet ist dieser Ort für tot erklärt worden, aber wir erfahren von der Möglichkeit hier zu übernachten für gerade Mal 70RAN pro Person, also 5€ und überlegen nicht lang. Wir schlafen in einem Haus Pakendorf (?), Laufen über knarzende Dielen von 1800 und ich Dusche das erste Mal in einer Sitzwanne.

Draussen spielen die Affen und das Beste- hier verkauft Dina Babalile Mtshweni in einem kleinen unscheinbaren Laden echte Schmuckstücke, die es in der Qualität und zu dem Preis in keinem anderen Laden gibt.

Wir haben Lot interviewt und werden morgen den Laden aufnehmen. Dann gibt's vielleicht auch mehr Dazu. Momentan sitzen wir im Auto, in der Mitte von nirgendwo auf einem Hügel, um ein Internetsignal zu empfangen.

 

Kontakte (falls eine Nummer nicht (mehr) funktioniert, einfach die anderen anrufen)

Dina Babalile Mtshweni
Botshabelo Ndebele Shop
0761952139 (ihre Tochter, sie übersetzt für Dina vom englischen ins afrikaans)

Lot Rantlha (Kedibone)
0787764267

Nomsa Maleke Mafolo
0767417096 oder Facebook

 

 


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