day 11

Posted on July 14th, 2017 by Schrüppe McIntosh

Um Geld zu sparen, haben wir uns den billigsten Flieger gebucht, den wir finden konnten. Wir hatten uns nicht soviel dabei gedacht, aber natürlich war das unsere letzte Nacht und natürlich ist es unglaublich unwahrscheinlich, dass man früh ins Bett kommt. Wir wollten Abends unsere Rechnung begleichen und wurden von den Vermietern eingeladen- daraus wurde ein Gespräch- daraus wurde eine sehr nette gemütliche Runde- daraus wurde eine sehr nette gemütliche Runde mit selbstgebranntem 52prozentigem Schnaps aus der Sammlung des Vaters der Vermieter....

Wir haben also nur drei Stunden geschlafen. Weniger als das. Vorgestellt hatte ich mir, mir, dass wir um 7 Uhr morgens in Durban ankommen und einen supertollen aktiven Tag am Indischen Ozean verbrigen. Ich war noch solange aktiv, wie wir mit Francois, den wir im Flieger kennen gelernt haben einen Kaffee in Durban getrunken. Danach war ich nur noch todesmüde und gefährlich grummelig. 

Ein bisschen aufgeheitert hat mich zwischendrin noch die Tatsache, dass wir eine Fashion und Textil-Uni in Durban mehr oder weniger durch Zufall gefunden haben. Momentan sind die Studenten noch in den Ferien, aber am Montag fängt das neue Semester an und ich hoffe sehr, dass wir die Möglichkeit haben uns die Schule näher anzusehen. Inwieweit spielen traditionelle Tecniken hier eine Rolle in der Ausbildung? Wie interessant ist das für die aktuellen Studierenden? Sieht man die Wurzeln der Studierenden? Das interessiert mich total. Das war aber auch das einzige minikurze Hoch, dass meine unerträgliche schlechte Laune für eine kurze Zeit unterbrochen hat.

Wir sind zum Backpackers, um dort einzuchecken, mussten aber bis 14 Uhr auf das Zimmer warten (ich könnte schwören, dass in der Zwischenzeit wirklich nichts passiert, was das Warten gerechtfertigt haben könnte). Das Hostel hat echt schlechte Bewertungen, aber ich dachte, dass mein Humor das ausgleichen würde.... NAJA, sag ich mal. 

Wir haben ein sehr kleines Zimmer, was nicht so komfortabel ist, weil man sich wirklich nicht drehen kann; damit kann man leben. Auch mit den Kaugummis unserer Vormieter unter dem Tisch und denangeblich 12 qm (Wohnen, Arbeiten, Schlafen, inkl.Bad) aber das Highlight ist die fehlende Klotür. Patrick und ich müssen uns nun absprechen, um uns nicht zu nah kennen zu lernen. Mit Augen zu und Musik an, geht das dann auch.

Mit der einen Steckdose im Zimmer haben wir versucht uns eine Workstation aufzubauen, und Pläne für den kommenden Tag zu machen. Und dann endlich geschlafen. Ich habe mich aber auch wirklich selbst nicht mehr ertragen können. Der arme Patrick. Drei Stunden haben gereicht, und ich bin auferstanden, wie die zerknautschte Version von Phoenix aus der Asche.

Ich wollte was von der Stadt sehen. In Johannesburg haben wir nämlich mehrere Tage damit zugebracht zu arbeiten, aber wir haben weder ein Museum besuchen könnnen, noch wirklich was von der Stadt gesehen. Durban liegt am Indischen Ozean, das Wetter war sonnig und sehr warm- sowas sollte man ausnutzen. 

Durban ist sicherer als Johannesburg, aber auch hier kann man es nicht riskieren in den falschen Straßen als Tourist unterwegs zu sein- ich wäre unglaublich gern gelaufen, aber so  sind wir also ans Meer gefahren (worden). Es war dunkel und zu sonst gefühlt menschenleer. Das Meer ist unglaublich schön in Kombination mit den Lichtern - ein atemberaubender Moment in unserer Reise. 

Nass und sandig sind wir im Anschluss in einem alten Schiff am Strand essen gegangen. Wahrscheinlich eines der besten Essen, die ich jemals hatte. Ich hätte weinen können. Wir haben so gar nicht in die feine Gesellschaft gepasst, waren aber die Glücklichsten in einem weiten Umkreis. Nach einem Strandspaziergang ist es uns echt passiert- wir sind in die falsche Ecke gelaufen. Ich kenne jetzt einige Redewendungen mehr, mit denen man ggf. Koks, Speed oder Ähnliches hier an den Mann zu bringen versucht. Wirklich spooky.

Durban kommt mir im Vergleich zu Johannesburg sehr viel bunter vor und auch lauter. Wir haben natürlich auch hier schon wieder total tolle Gespräche geführt, aber die Angst, dass die Kinder geklaut werden, man überfallen und ermordet wird, ist auch hier bei den Bewohnern tief verankert.

 

 


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